89 Jahre Thomaskirche
| 4. Sept. 1932 | „Evangelisch-Lutherische Kirche am Parkplatz zu Geiselgasteig bei München« wird durch Kreisdekan Baum und Dekan Langenfaß feierlich eingeweiht. Es wirkt heute noch wie ein Wunder, dass es nach gerade erst überstandener Weltwirtschaftskrise den etwa 450 Evangelischen in Grünwald gelingen konnte, ein solches Bauwerk voranzubringen. Der Entschluss dazu stammte aus dem Jahre 1924: Dekan Heckel hatte im Hause Müller an der Ludwig-Thoma-Straße, wo damals auch die Gottesdienste stattfanden, mit Grünwalder Bürgern beratschlagt, es kam 1926 zur Gründung des „Evangelischen Vereins Grünwald und Geiselgasteig“, dessen Ziel die Errichtung einer Tochterkirchenstiftung war. Die staatliche Genehmigung wurde 1930 erteilt. Nach langwierigen Verhandlungen räumte die Gemeinde Grünwald dafür ein Erbbaurecht am Parkplatz ein, wodurch die Grundstücksfrage erst einmal einer Lösung zugeführt war. Zur Finanzierung der Baukosten von RM 56.452.- mussten die Gemeindeglieder einen wesentlichen Anteil übernehmen, wofür unermüdlich gesammelt wurde. |
| 8. Nov. 1931 | Grundsteinlegung: Der Entwurf stammte von den Architekten Prof. Delisle und lngwersen. Die Bauarbeiten wurden von der Baufirma Martin Kneidl - der Firmeninhaber war seinerzeit auch Bürgermeister von Grünwald — ausgeführt. Vom ortsansässigen Schreinermeister Karl Hengst stammen die Kirchenbänke. Zunächst einziger Schmuck war neben Taufstein, Altar und Kanzel aus rotem Wesersandstein das schwere Holzkreuz, das später noch mit einem Korpus ergänzt werden sollte; dazu ist es nicht gekommen und wir heute können uns eigentlich keine andere Gestaltung vorstellen als dieses schlichte, aber die Kirche beherrschende Kreuz. Bereits mit dem Bau wurden drei Glocken in den Turm eingebracht, die von der Firma Schilling in Apolda gegossen worden waren. |
| 17. Apr. 1933 | Der erste Täufling von Pfarrer Ellwein aus Solln war Renate Grosche. Ihr Tauftag war gleichzeitig der erste Osterfeiertag. |
| 1935 / 1936 | Das Fresko „Die Bergpredigt“ wird im November fertiggestellt. Es wird erst im Sommer, Juni 1936, der Öffentlichkeit übergeben. Prof. Reinhold Max Eichler hat es gemalt. Es stellt die Bergpredigt dar. |
| 1938 | Anschaffung einer Orgel, die durch die Münchener Firma Moser zum Preis von RM 6.158.- eingebaut wurde. |
| 1940 | Die Tochterkirchengemeinde Grünwald wurde von SolIn zur neu errichteten Gemeinde Emmaus in Harlaching „umgepfarrt“. Doch deren Pfarrer Neumann musste in den Krieg ziehen und so wurde die Gemeinde von Pfarrer Zwanzger aus Planegg betreut. Der Krieg machte aber auch vor der Kirche selbst nicht Halt. Zwei ihrer Glocken wurden zu Kriegsbeginn beschlagnahmt, neben den Glockenstühlen zerschlagen, da man sie anders nicht aus der Kirche herausbrachte, abtransportiert und eingeschmolzen. |
| 1946 | Nach Ende des Krieges kam der Ostpreuße Paul Blum als der erste eigene Pfarrer an die Grünwalder Kirche. |
| 1954 | Pfarrer Blum zieht mit seiner Familie in das Haus am Primelweg 10 ein. 25 Jahre versah Paul Blum seinen Dienst bei uns. Als Untermieter bei Grünwalder Familien lebte er unter beengtesten Verhältnissen, wurde mehrmals mit diesen von den Amerikanern vor die Tür gesetzt. Der größte Raum dieses kleinen Wohnhauses diente als Gemeindezentrum, hier probte der Chor, fanden die Kirchenvorstandssitzungen statt, traf sich eine erste sehr aktive Jugendgruppe; Pfarrer Blum hat das Gemeindeleben hautnah miterlebt und hin und wieder mit seiner modernen Tonbandausrüstung dokumentiert. Über die Gemeindegrenzen bekannt wurde er durch seine Beiträge in der Illustrierten „Revue“, in denen er ähnlich brillierte wie in seinen sonntäglichen Predigten. |
| 1955 | Aus der Tochterkirchengemeinde wird eine selbständige Kirchengemeinde. Mit dem Beschluss des Landeskirchenrats vom 10. Februar 1953 bekommt unsere Kirche den Namen „Thomaskirche“. |
| 1962 | Die alte Umluftheizung, die mehr Schmutz an den Wänden als Wärme brachte, wird durch eine elektrische Bankheizung ersetzt. Das Geläut, das seit Kriegsbeginn nur noch aus einer Glocke bestand, wird durch drei neue Glocken aus einer Gießerei in Erding ergänzt. |
| 1971 | Pfarrer Martin Schmidt aus Schlesien übernimmt die Gemeinde. In seine Amtszeit fiel der Bau des Gemeindezentrums an der Wörnbrunner Straße. Trotz seiner schweren Kriegsverletzung - er hatte einen Arm verloren — war er nicht nur ein Hüter seiner evangelischen Gemeinde, sondern auch ein passionierter Gärtner, was dem neuen Pfarrgarten zu Gute kam. In dem neuen, nun auf unsere Verhältnisse zugeschnittenen Zentrum begann er mit dem kontinuierlichen Aufbau einer Senioren- und Jugendarbeit. Mit Pfarrer Schmidt unternahm der Kirchenvorstand auch eine seiner Reisen, nämlich ins Altmühltal, seinem ehemaligen Wirkungsbereich. Für eine Reise nach Umbrien zu den Etruskern, denen er sich sehr verbunden fühlte, war die Zeit noch nicht reif. |
| 1981 | Pfarrer Gerhard Nörr aus Mittelfranken tritt seinen Dienst in der Thomasgemeinde an. Er wiederum setzte in seiner 20-jährigen Amtszeit andere Schwerpunkte in der Seelsorge. Unter seiner Ägide entwickelte sich dank kreativer Persönlichkeiten eine bemerkenswerte Jugendarbeit: Jugendkulturwochen, Filmproduktionen, turbulente Parties. |
| 1992 | Einweihung der neuen Orgel für 300.000.—DM von Orgelbauer Heintz. Umgestaltung der Empore, Erneuerung der Bankheizung. |
| 2001 | Pfarrer Christian Stalter, geboren in Brasilien und aufgewachsen in Unterfranken, übernimmt das Amt des Pfarrers der Thomasgemeinde. Sein Ziel ist es, die Thomasgemeinde als moderne, freundliche Gemeinde zu gestalten und Menschen jeden Alters einzuladen, am Gemeindeleben teilzunehmen. Dazu beschreitet er diverse innovative Wege und scheut sich auch nicht, Präsenz in den sog. Neuen Medien zu zeigen. Viele neue Projekte entstehen unter seiner Amtszeit gemeinsam mit dem Kirchenvorstand: Diverse Renovierungsarbeiten wie Erneuerung des Kirchendachs, Renovierung der Orgel; neue ökumenische Impulse: gemeinsames Sommerfest; Bibelabende. |
| 2004 | Live-Schaltung der Webpage der Thomasgemeinde; Neugestaltung der „Kontakte“ - Gemeindebrief |
| 2006 | Aufnahme einer CD mit einer Jazz-Sängerin und Konfirmanden |
| 2007 / 2008 | Restaurierung des Freskos in der Thomaskirche - erstmalig nach 72 Jahren. Broschüre zum Fresko wird verfasst. Begründung der Reihe „Akademie Tage“ (2007; 2008; 2010; 2011; 2012; 2014; 2015; 2016; 2017; 2019) |
| 2010 | Christine Bittner wird zur Lektorin ausgebildet; 2016 wird sie als Prädikantin eingeführt. |
| Auf dem Weg zum Lutherjahr | |
| 2013 und 2015 | Zwei Broschüren „Menschen in der Thomasgemeinde“ erscheinen. |
| 2016 |
Einspielung der CD „Johann Sebastian Bach - Denkmal an Martin Luther“ . Einführung der App der Thomasgemeinde für Smartphone und Tablets. App der Thomasgemeinde geht live. |
| 2017 | Einweihung des Brunnens an der Thomaskirche |
| 2018 | 3. Broschüre "Zwischen Himmel, Glauben und Erde" erscheint. |
| 2019 | Die Thomasgemeinde erhält den Medienpreis der Bayrischen Landesskirche für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Das Gesamtkonzept umfasst: Webpage, Broschüren, Gemeindebrief, Flyer und App. Auf der Tagung der Landessynode im Frühjahr 2019 in Lindau wird die Auszeichnung dem verantwortlichen Team überreicht. |
| 2020 / 2021 | Die Corona-Pandemie fordert die Thomasgemeinde heraus. Viele Briefaktionen werden gestartet, darunter auch ein Preisausschreiben. In Kooperationen mit der Musikschule werden Fensterkonzerte angeboten, Solisten aus der Musikschule bereichern die Gottesdienste, auch die gestreamten. |
| 2020 | Im März 2020 werden erste Schritte werden unternommen, um umgehend Gottesdienste zu streamen. Tatsächlich gibt es dann nur für einen Sonntag keinen Gottesdienst aus der Thomasgemeinde. Der eingerichtete YouTube Kanal dient als Plattform für nun folgende Übertragungen. Nach anfänglich postproduzierten Gottesdiensten, beginnen die Verantwortlichen im Herbst 2020 live zu streamen. |
| 2022 | Erwachsenenbildungsvorträge werden zunächst aus der Thomaskirche übertragen. Dann ab 2023 auch aus dem zusätzlich ertüchtigten Gemeindezentrum. |
| 2023 | Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt - als erste Evang.-luth. Kirchengemeinde in Bayern stellt die Thomasgemeinde in Kooperation mit der Präventionsstelle das Schutzkonzept vor. Im Juli beschließt der Kirchenvorstand das Konzept. Im Herbst werden die Arbeiten daran abgeschlossen. |
| 2024 | Erweiterung der Kameratechnik in der Thomaskirche (Autotracking). |
| 2025 | Ausgestattet mit Beamertechnik werden Lieder oder auch Filmauschnitte an die freie Fläche zwischen Kreuz und Fresko projiziert. |
| 2025 | Im November wird ein festlicher Gottesdienst zum 90jährigen Jubiläum des Freskos gefeiert. |
| 2025 | Digitale Schaukästen werden an der Thomaskirche (Hochformat) und am Gemeindezentrum (Querformat) installiert. Ein Team stellt monatlich animierte Plakate her. Traditionelle Schaukästen werden außer Betrieb gestellt. |
| 2026 | Erstmalig sind der Ablauf, die Videos und die Liedtexte zu den Konfirmationsgottesdienste nur noch über Beamer mitverfolgbar. |
| 2026 | Im Frühjahr sind, sechs Jahre nach Einrichtung des YouTubeKanals der Thomasgemeinde, über 32.000 Aufrufe zu verzeichnen. Nicht nur Gottesdienste werden in die Welt übertragen, sondern auch Taufen, Trauungen, Bestattungen. |
So kommt Pfarrer Christian Stalter nicht darum herum, immer wieder an die Opferbereitschaft zu appellieren, damit
„ …unser schöner Kirchenraum weiterhin einladen kann zu Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Trauerfeiern. Die Thomaskirche ist zudem seit langem eine beliebte Hochzeitskirche in der Region geworden. Trotzdem: Wenn auch aus 450 Evangelischen in Grünwald bei ihrer Einweihung mittlerweile 2500 geworden sind, so reichen bei den meisten Gottesdiensten die 230 Sitzplätze in der Regel aus. Das muss betroffen machen. Wir würden als Nachfahren derer, die diese Kirche unter größten Anstrengungen geplant, gebaut und gestaltet haben, jener Generation nicht gerecht werden, wenn uns dies nicht immer und immer beschäftigt und wir nicht Wege finden, um mehr Menschen in dieses schöne, uns ans Herz gewachsene Gotteshaus zu führen.“
(Pfarrer Christian Stalter)

